„In Bayern geboren - im Rheinland sozialisiert - deutschlandweit als Anwalt unterwegs: im Erbrecht und begleitendem Steuerrecht, Testamentsvollstreckungen, Vorsorge- und Nachfolgegestaltungen sowie Stiftungen.“
- Geboren in München
- Studium der Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn
- Referendariat im Bezirk des Oberlandesgerichts Köln
- seit 1984 ausbildungsbegleitend wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Einzelkanzlei in Bonn
- 1986 Zulassung als Rechtsanwalt, Entwicklung der Einzelkanzlei zu einer Sozietät und sukzessiver Aufbau zu einer mittelständischen Anwaltskanzlei
- parallel zur Anwaltstätigkeit: Repetitor in Marburg und Gießen, Ausbildungsleiter von Referendar-Arbeitsgemeinschaften beim Oberlandesgericht Köln
- 1990 Erweiterung der Anwaltskanzlei um Standorte in Halle (Saale) und Dresden
- 1994 Fachanwalt für Steuerrecht
- 1997 Mitbegründung der Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung und Vermögenssorge (AGT) e. V.
- 2001 Übernahme des Amtes als Vorsitzender der AGT
- 2003 Beginn umfangreicher Veröffentlichungstätigkeit (u.a. Praxishandbuch Testamentsvollstreckung, Die Vergütung des Testamentsvollstreckers, Rechtsprechungssammlung für Testamentsvollstrecker sowie zahlreicher Fachbeiträge)
- 2004 Beginn umfangreicher fachlicher Vortragstätigkeit im Bereich der Ausbildung von Fachanwälten für Erbrecht, Fachberatern für Testamentsvollstreckung und Nachlassverwaltung (DStV) u.v.m.
- 2005 Fachanwalt für Erbrecht
- 2006 Zertifizierter Testamentsvollstrecker (AGT)
- 2007 Initiator des Deutschen Testamentsvollstreckertages
- 2009 erstmalige Auszeichnung als Topanwalt für Erbrecht durch die Wirtschaftswoche
- 2015 Initiator des schweizerisch-deutschen Testamentsvollstreckertages
- 2024 Gründung der Einzelkanzlei ROTT.legal, als Kooperationspartner Of Counsel bei SP§P.
Zur Kommentierung für Juristen
zu § 2221 Vergütung des Testamentsvollstreckers
Bedeutung für den Rechtsverkehr, häufige Anwendungsfälle
Die gesetzliche Regelung ist bewusst kurz gefasst. Sie geht zurück auf die Vorstellung des Gesetzgebers, dass der Erblasser selbst in seinem Testament die Vergütung des Testamentsvollstreckers bestimmen soll. Häufig tut er dies jedoch aus Unkenntnis nicht oder weil er sich schlicht nicht festlegen möchte. Das führt dann später in der Praxis oft zu Diskussionen. Fehlt eine klare Vorgabe, muss im Nachhinein bestimmt werden, was eine „angemessene Vergütung“ ist. Gerade dabei kommt es nicht selten zu Streitigkeiten zwischen Erben und Testamentsvollstrecker, da ihre Interessen naturgemäß auseinandergehen.
In der Praxis haben sich deshalb Vergütungstabellen und Empfehlungen als bewährte Orientierung etabliert. Besonders anerkannt sind die Vergütungsempfehlungen des Deutschen Notarvereins in der aktuellen Fassung von 2025. Sie bieten eine klare und praxisgerechte Grundlage für die Berechnung.
Praxis-Hinweis
Wer spätere Auseinandersetzungen vermeiden möchte, sollte die Vergütung des Testamentsvollstreckers möglichst klar im Testament regeln. Eine bewährte Formulierung lautet zum Beispiel:
„Der Testamentsvollstrecker erhält eine Vergütung, die sich nach den Vergütungsempfehlungen des Deutschen Notarvereins in der im Zeitpunkt meines Todes gültigen Fassung richtet.“
Online-Vergütungsrechner
Zumindest überschlägig lässt sich die angemessene Vergütung des Testamentsvollstreckers mit dem folgenden Online-Rechner berechnen. Er basiert auf den Vergütungsempfehlungen des Deutschen Notarvereins (DNotV-E 2025).
Problemaufriss: Zu unterscheiden ist zwischen dem Vergütungsanspruch des Testamentsvollstreckers, der in § 2221 BGB angesprochen ist, und seinem Anspruch auf Auslagenersatz, der sich aus §§ 2218 Abs. 1, 670 BGB herleitet. Der Verweis auf das Auftragsrecht ermöglicht es dem Testamentsvollstrecker, Auslagen ersetzt zu erhalten, wenn er sie den Umständen nach für erforderlich halten durfte; maßgebend ist dabei ein objektiver Maßstab mit subjektivem Einschlag (OLG München, Urteil vom 15.11.2017 – 20 U 5006/16). In der Praxis wird an dieser Stelle nicht immer differenziert; teilweise korrespondieren beide Ansprüche auch. Beispielsweise, wenn der Testamentsvollstrecker Hilfspersonen in großem Umfang einschaltet für Aufgaben, die in seinen originären Zuständigkeitsbereich fallen. Die Vergütung wird dann entsprechend geringer ausfallen.
§ 2221 BGB enthält eine Generalklausel zur Ermittlung einer „angemessenen“ Vergütung des Testamentsvollstreckers für den Fall, dass der Erblasser
Anwendungsbereich und zeitliche Anwendbarkeit der DNotV-E 2025
Die DNotV-E 2025 sind auf der Website des Deutschen Notarvereins veröffentlicht (www.dnotv.de/wp-content/uploads/2024/11/Empfehlungen-des-Deutschen-Notarvereins-fuer-die-Verguetung-des-Testamentsvollstreckers-2025_Stand-11-2024.pdf). Sie werden grundsätzlich für Erbfälle ab dem 1. Januar 2025 empfohlen. Bei länger andauernden Abwicklungen sowie Dauervollstreckungen können sie auch für vor diesem Stichtag eingetretene Erbfälle herangezogen werden, sofern die Bemessungsgrundlage ab dem 1. Januar 2025 nach der neuen Systematik ermittelt wird. Richtigerweise werden sie auch dann herangezogen werden können, wenn der Erbfall wenige Jahre vor dem 01.01.2025 eingetreten ist. Denn dann wird es "angemessener" i. S. des § 2221 BGB sein, die Vergütung nach den DNotV-E 20225 - ggf. mit einem gewissen Abschlag - zu ermitteln, als nach den deutlich länger zurückliegenden DNotV-E 2000.
System und Leitidee der DNotV-E 2025
Die Empfehlungen setzen die Tradition einer wert- und verantwortungsbezogenen Vergütung aus den DNotV-E 2000 fort, passen Stufen und Sätze an heutige wirtschaftliche Verhältnisse an und erweitern die Differenzierung durch Zu- und Abschläge. Ziel ist eine methodisch transparente, fallangemessene Bemessung – insbesondere auch bei Groß- und Unternehmensnachlässen.
Bemessungsgrundlage, Grundvergütung, Tabellenlogik
Ausgangspunkt ist der Verkehrswert des Nachlasses im Sinne des § 2311 Abs. 1 BGB zum Todeszeitpunkt. Er dient der Ermittlung der Grundvergütung des Testamentsvollstreckers und ermittelt sich in gestuften Wertklassen nach einem Prozentsatz am Nachlass. Verbindlichkeiten werden bei dieser Ermittlung grundsätzlich nicht abgezogen, es sei denn, der Testamentsvollstrecker wäre mit deren Abwicklung nicht befasst. Bei Teilvollstreckung ist nur der der Vollstreckung unterliegende Nachlassteil maßgeblich. Die Tabellenwerte zur Ermittlung der Grundvergütung staffeln sich wie folgt:
bis 350.000
5,00 %
bis 700.000
4,00 %
bis 3.500.000
3,00 %
bis 7.000.000
2,00 %
bis 35.000.000
1,50 %
bis 70.000.000
1,25 %
bis 350.000.000
1,00 %
bis 700.000.000
0,75 %
über 700.000.000
für den übersteigenden Betrag zusätzlich 0,20 %
Zusätzlich gibt es eine sogenannte Vorstufengarantie. Das bedeutet, dass der günstigere Satz der vorangegangenen Stufe für den jeweils darunterliegenden Anteil erhalten bleibt. Dies gewährleistet eine stetige Progression ohne Sprünge („Sprungverlustfreiheit“) und erhöht die Berechenbarkeit der Vergütung.
Zu- und Abschläge, Berechnungssystematik
Die DNotV-E zeichnet eine differenzierte Systematik von Zuschlags - und Abschlagstatbeständen aus, die die Grundvergütung ergänzen, i. E. geregelt in Form von Fallbeispielen ( vgl. DNotV-E 2025 Abschnitt B.II.1 und 2. )Unterschieden wird zwischen personenbezogenen sowie nachlassbezogenen erschwerenden bzw. erleichternden Umständen. Gleichzeitig wurde die Bandbreite der Gesamtvergütung eingegrenzt. Daraus ergibt sich folgende grundlegende Berechnungssystematik:
Berechnungssystematik:
Spannweite der Bewertungsmöglichkeiten:
Bandbreite der Gesamtvergütung:
Fallbeispiele für zuschlagsbegründende, personenbezogene Erschwernisse (Vgl. DNotV-E 2025 Abschnitt II.1.ii.a)-d)
Fallbeispiele für zuschlagsbegründende, nachlassbezogene Erschwernisse (vgl. i.E. DNotV-E 2025 Abschnitt II.1.i.a)-g)
Fallbeispiele für abschlagsbegründende, personenbezogene Umstände (vgl. DNotV-E 2025 Abschnitt II. 2. ii. a)–c).
Fallbeispiele für abschlagsbegründende, nachlassbezogene Umstände (vgl. DNotV-E 2025 Abschnitt II.2.i.a),b).
Praxishinweis:
Der in dieser Kommentierung implementierte Vergütungsrechner bildet die klassische Abwicklungsvollstreckung ab. Die nachfolgend beschriebenen Vergütungsoptionen sind (noch) nicht dargestellt. Keineswegs darf man sich dazu verleiten lassen, die DNotV-E 2025 schematisch anzuwenden. Die Rechtsprechung wird immer auf den konkreten Einzelfall abstellen. Gleichwohl ermöglichen die DNotV-E 2025 mit ihrer Vielzahl an Fallbeispielen eine präzisere Einschätzung der Gesamtvergütung der Testamentsvollstreckervergütung auch für Personenkreise, für die die Testamentsvollstreckervergütung eher nicht zum Tagesgeschäft gehört. Dies sollte daher streitvermeidend wirken können.
Zuschläge für länger dauernde Abwicklungsvollstreckung und Dauertestamentsvollstreckung
Ab Abgabe der Erbschaftsteuererklärung fällt auch für Abwicklungsvollstreckungen ein gesonderter Zuschlag zur Grundvergütung an. (vgl. DNotV-E 2025 Abschnitt C) Er wird jährlich erhoben und unterliegt nicht der Höchstbetragsgrenze von 30/10. Der Höhe nach orientiert er sich an der Vergütung für die echte Dauertestamentsvollstreckung nach § 2209 BGB.
Für die Berechnung des jährlichen Zuschlags wird nicht auf den ursprünglichen Nachlasswert abgestellt, sondern auf den tatsächlich betreuten Vermögensbestand im jeweiligen Zeitraum. Die Höhe des Zuschlages beträgt 1/3 bis 1/2% der jährlichen neu zu ermittelten Bemessungsgrundlage, mindestens aber 2% bis 4 % des jährlichen Nachlassbruttoertrages. Bei Fehlen besonderer Anhaltspunkte ist vom Mittelwert auszugehen. vgl. DNotV-E 2025 Abschnitt C.II.1, 3. Für Sonderfälle wie Behindertentestamente oder Nacherbenvollstreckungen wird ein weiterer Zuschlag von 10% bis 50% des Zuschlagsbetrages vorgeschlagen.
Vergütung bei Unternehmensnachlässen
Wird der Testamentsvollstrecker mit der Verwaltung eines Unternehmens oder wesentlicher Unternehmensbeteiligungen betraut, stellt sich die Frage nach der richtigen Bemessungsgrundlage in besonderer Schärfe. Die DNotV-E 2025 orientieren sich hier als Bemessungsgrundlage am wirtschaftlichen Verkehrswert des Unternehmens. Zudem enthalten sie eine klare Aussage zur Vergütung getrennter Funktionen: Übernimmt der Testamentsvollstrecker zusätzlich eine Rolle als Geschäftsführer, Aufsichtsrat, Beiratsmitglied oder eine vergleichbare Funktion, wird dies nicht auf die Testamentsvollstreckervergütung angerechnet. Derartige Tätigkeiten gelten ausdrücklich als eigenständige Leistungen, für die – zusätzlich - eine marktübliche Vergütung anzusetzen ist.
Praxishinweis:
Um spätere Streitigkeiten zu verhindern, sollte die letztwillige Verfügung diesen Umstand berücksichtigen, zumindest aber spätestens bei Aufnahme der Tätigkeit eine vertragliche Regelung geschaffen werden, z. B. durch separate Bestellung im jeweiligen Amt mit gesonderter Vergütungsvereinbarung.
Die Höhe der Zuschläge wird nach der operativen Nähe und Einflussmöglichkeit des Testamentsvollstreckers auf das Unternehmen bzw. die Beteiligung wie folgt bemessen:
• Treuhandlösung (Vollrechtstreuhand):
Der Testamentsvollstrecker übt umfassende Kontrolle über die Beteiligung aus. Es wird ein Zuschlag von bis zu 10 % des jährlichen Reingewinns, alternativ 2 % bis 4 % aus einem Drittel des Unternehmenswerts zu Beginn der Vollstreckung als angemessen angesehen.
• Vollmachtlösung:
Der Testamentsvollstrecker agiert im Rahmen umfassender Handlungsvollmachten, ohne rechtlicher Inhaber der Beteiligung zu sein. In dieser Konstellation reduzieren sich die genannten Werte um die Hälfte.
• Weisungsgeberlösung:
Der Testamentsvollstrecker steuert die Unternehmensführung indirekt, z. B. über Einfluss auf eingesetzte Geschäftsführer. In diesem Fall beträgt die Vergütung ein Drittel der bei der Treuhandlösung anzusetzenden Werte.
Gestaltungshinweis:
Gerade bei unternehmerisch geprägten Nachlässen sollte die Vergütungsstruktur frühzeitig abgestimmt und schriftlich fixiert werden.
Zu den DNotV-E 2025 gibt es noch keine Rechtsprechung, dazu sind die Empfehlungen noch zu neu. Teilweise wird sicherlich auf Rechtsprechung zu den DNotV-E 2000 in vorsichtiger Anwendung zurückgegriffen werden können. Eine Zusammenfassung mit Hinweisen auf die frei verfügbaren Entscheidungen findet sich bei Rott, Rechtsprechungssammlung für Testamentsvollstrecker 2023 (digital).
Bonefeld/Klinger, Die Vergütung des TV bei DauerTV über Unternehmensanteile, RFamU 2025, 57 ff.
Bonefeld/Klinger, Erste Praxishinweise zu den Empfehlungen des DNotV 2025, ZEV 2025, 155 ff.
Kaup, Ephraim, Testamentsvollstreckung über Familienunternehmen – Die neuen Vergütungsempfehlungen des Deutschen Notarvereins 2025 als Wegweiser für Unternehmernachlässe, FuS 2025, 143
Lange, Knut Werner, Die Vergütung des Testamentsvollstreckers nach den Empfehlungen des Deutschen Notarvereins 2025 - ein erster Überblick, DStR 2025, 218
Muscheler, Karlheinz, Der testamentarische Verweis auf Vergütungstabellen bei der Testamentsvollstreckung, notar 2024, 179
Reimann, Wolfgang, Die Vergütung des Testamentsvollstreckers nach den Empfehlungen des Deutschen Notarvereins 2025 – Erste Erläuterungen, ZEV 2024, 795-799
Rott, Eberhard, Testamentsvollstreckervergütung – Überarbeitung der Vergütungsempfehlungen des Deutschen Notarvereins, NWB-EV 2025, 58
Rott, Eberhard, Abschied von der “Rheinischen Tabelle” – Die Umsetzung der AGT-Anmerkungen zur angemessenen Testamentsvollstreckervergütung durch die DNotV-E
Der Vergütungsstreit ist stets vor dem Prozessgericht zu führen, das Nachlassgericht ist hierfür nicht zuständig.